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Kooperationstag Sucht

Über 250 Gäste nahmen am siebten Kooperationstag „Sucht und Drogen“ teil, der beim LVR als Gastgeber und Mitveranstalter in Köln stattfand. Eröffnet wurde die Veranstaltung von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens und Martina Wenzel-Jankowski, LVR-Dezernentin für den Klinikverbund und den Verbund Heilpädagogischer Hilfen.

Medikamentenabhängigkeit wird immer noch tabuisiert

Auditorium des Kooperationstages Drogen und Sucht

Schätzungen zufolge leiden bis zu 1,9 Millionen Menschen an Medikamentenabhängigkeit. Oft findet die Sucht verborgen statt, sodass die Dunkelziffer auch wesentlich höher liegen könnte. Durch Vorträge, Workshops und Diskussionen versuchte der Kooperationstag das Thema "Medikamente und Sucht. Zwischen Wohltat und Missbrauch" in den Fokus zu rücken und die fachspezifischen Aspekte zu beleuchten. Ministerin Steffens erklärte dazu in ihrem Grußwort: "Die Suchtgefahren durch psychoaktive Medikamente werden deutlich unterschätzt und in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, da sich die Abhängigkeit meist im Verborgenen abspielt". Das Thema müsse deshalb unbedingt aus der Tabuzone herausgeholt werden, so Steffens weiter.

Von Medikamentenabhängigkeit sind vor allem ältere Menschen betroffen. Viele nehmen gleichzeitig mehrere Arzneimittel ein und sind dadurch schädlichen Wechselwirkungen der Substanzen ausgesetzt. Auffällig ist, dass rund zwei Drittel der Betroffenen Frauen sind. Aber auch die Psychopharmakaeinnahme bei Kindern und Jugendlichen ist besorgniserregend gestiegen.

Martina Wenzel-Jankowski erläuterte bei der Veranstaltung, dass Abhängigkeitserkrankungen mit rund 27 Prozent zwar die häufigste Aufnahmediagnose in den LVR-Kliniken seien, die Zahl der Medikamentenabhängigen mit 0,5 Prozent davon aber relativ gering erscheine: "Dies zeigt, dass medikamentenabhängige Menschen, wenn überhaupt, dann oft am Ende eines langen Weges des schädlichen Medikamentengebrauches zur Behandlung in eine Fachklinik kommen." Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung müsse sich daher insbesondere auf Aufklärung, Früherkennung und Präventivmaßnahmen richten. Der Kooperationstag Sucht NRW sei dafür eine wichtige Gesprächsplattform, so Wenzel-Jankowski weiter.

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