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Gefangene Geheimnisse

Das Projekt "Gefangene Geheimnisse I - III"

Projektsituation einer malenden Patietin, die mit dem Rücken zur Kamera steht
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Das LVR-Dezernat Klinikverbund und Verbund Heilpädagogischer Hilfen realisierte in Kooperation mit dem LVR-Dezernat Kultur und Landschaftliche Kulturpflege von 2011 bis 2015 drei Kunstprojekte im Maßregelvollzug in den LVR-Kliniken Bedburg-Hau und Langenfeld. Schirmherrin der Projekte ist die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Barbara Steffens.

Das erste Projekt wurde finanziell gefördert und unterstützt von der Sozial- und Kulturstiftung des LVR. Das zweite und dritte Projekt wurde mit Mitteln des Maßregelvollzuges des Landes NRW unterstützt.

Maßgabe aller Projekte ist die Einbeziehung der Patientinnen und Patienten in einen künstlerischen Prozess, der die Auseinandersetzung mit diesem Prozess selbst, wie auch mit ihrer eigenen Biographie eröffnet und fördert. Ausstellungen der Ergebnisse aller drei Projekte werden wiederum die Reflexion von außen ermöglichen. Ziel der Projekte „Gefangene Geheimnisse I-III“ ist die Entwicklung künstlerischer Arbeiten, die diese Menschen - zunächst im Kunstkontext - sichtbar werden lassen.

Hauptwerk sind Porträts in wabenartiger Form, an denen die Teilnehmenden des Projekts aktiv mitgearbeitet haben. Porträt (von außen) und Selbstporträt (von innen) verbinden sich zu einer Form und thematisieren somit eine übergeordnete Fragestellung.

Zusammen mit eigenen Werken der teilnehmenden Patientinnen werden Portraits, die die Künstlerin Cony Theis von ihnen erstellt, in einer Wabe individuell angeordnet. Die teilnehmenden Patientinnen treten dabei in eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Facetten ihrer Identität und somit auch den Facetten ihrer seelischen Erkrankung.

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Die Patientinnen und Patienten

Gruppenbild des Projektteams zum Projekt Gefangene Geheimnisse 3
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Menschen, die in forensischen Kliniken leben, sind im Allgemeinen aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit ausgegrenzt. Mit den Projekten kommen Patientinnen und Patienten im Maßregelvollzug selbst zu „Wort“ und präsentieren sich als Teil der Gesellschaft. So wie jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich und seine Geheimnisse einem anderen anzuvertrauen, sollen auch die Patientinnen und Patienten ihre „Geheimnisse“ auf ihre eigene künstlerische Weise „freilassen“ und ihre „Geschichte“ erzählen. Sie können so als Menschen wahrgenommen werden, die Freude an künstlerischem Tun und Ausdruck haben und nicht als defizitäre Menschen jenseits unserer Gesellschaft.

Das größte Interesse der Künstlerin Cony Theis, Professorin für Bildende Kunst an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg, gilt Fragen des zeitgenössischen Porträts. In “Gefangene Geheimnisse” ging sie gemeinsam mit Frau Nowakowski, Kunsttherapeutin der LVR-Klinik Bedburg-Hau und Frau Müllenmeister und Frau Blaszczyk, Therapeutinnen der LVR-Klinik Langenfeld, mit den Patientinnen und Patienten in diesen partizipativen Portraitprojekten in einen künstlerischen Dialog über deren eigene Biographie und ihre Vorstellungen von „Welt“. Auch „Geheimnisse“ wurden in der inhaltlichen und praktischen Auseinandersetzung ein künstlerisches Thema.

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Austellung im Kunsthaus Kannen vom 14. Februar bis 1. Mai 2016

Die künstlerischen Arbeiten von Cony Theis entstanden im sozialen Kontext und markieren damit Grenzen und Berührungspunkte zugleich. Ihr partizipatorischer Ansatz und die daraus entstehenden Kunstwerke der Projektphasen werden im Kunsthaus Kannen gezeigt. Das vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) initiierte Langzeitprojekt „Gefangene Geheimnisse“ wurde in vier forensischen Psychiatrien in NRW als dialogischer Prozess mit Patienten und Patientinnen durchgeführt. Im Juli 2015 fand das Projekt „paar/unpaar“ in der Christophorus Klinik auf dem Alexianer-Areal in Münster statt.

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