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Qualitätsleitbild des LVR-Klinikverbunds

Präambel

Die nachfolgenden Leitlinien beschreiben den Qualitätsanspruch des LVR-Klinikverbundes im Sinne einer selbstgesetzten Qualitätsnorm. Sie sind Handlungsgrundlage für die Mitarbeitenden der LVR-Kliniken und der Verbundzentrale sowie Leistungsversprechen gegenüber unseren Patientinnen und Patienten.

Als großer kommunaler Krankenhausträger sieht sich der LVR in besonderer Weise der Gewährleis-tung einer hohen Behandlungsqualität verpflichtet. Unser Qualitätsanspruch gilt in gleicher Weise für alle Fachgebiete und Bereiche der LVR-Kliniken: Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Neurologie, Orthopädie, die Behandlung von psychisch kranken Straftätern sowie die Medizinische und Soziale Rehabilitation.

Einen Schwerpunkt der Aufgabengebiete der LVR-Kliniken bildet die Behandlung von Menschen mit psychischen, psychosomatischen und neurologischen Störungen. Insofern kommt den Anforderungen dieser Patientengruppen in den folgenden Leitlinien ein besonderes Gewicht zu.

1. Gewährleistung einer leitliniengerechten Diagnostik und Behandlung auf hohem Niveau

und Behandlungsangebote der LVR-Kliniken werden auf Grundlage der aktuellen medizinischen Standards und Leitlinien sowie unter Einbeziehung gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse und orientiert an den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten durchgeführt. Die Behandlungsangebote bestehen aus diagnoseübergreifenden sowie diagnose- und methoden-spezifischen Angeboten. Spezialisierungen erfolgen in den einzelnen Kliniken; sie können in besonderen Schwerpunkten auch standortübergreifend erfolgen.

Patientinnen und Patienten erhalten während ihres Aufenthaltes die erforderlichen Leistungen in der gebotenen Intensität: ärztliche, therapeutische und pflegerische Angebote werden im Rahmen der multiprofessionellen Zusammenarbeit bedarfs- und bedürfnisorientiert organisiert. Alle während der Behandlung erfolgten Maßnahmen und der Behandlungsverlauf werden in aussagekräftiger Form dokumentiert.

Vor der Aufnahme und vor dem Behandlungsende werden regelhaft und rechtzeitig Maßnahmen des Aufnahme- und Entlassungsmanagements durchgeführt. Bei entsprechender Indikation wird den Patientinnen und Patienten durch die Institutsambulanzen der LVR-Kliniken ein nachgehendes Behandlungsangebot gemacht, das sich möglichst zeitnah an den Abschluss der stationären Behandlung anschließen sollte.

Die LVR-Kliniken sind bestrebt, ihre Angebote durch neue Formen der ambulanten Komplexbehandlung (Assertive Community Treatment, Hometreatment etc.) zu ergänzen und die hier noch hemmenden Grenzen des Finanzierungssystems zu überwinden.

Information, Behandlungsvereinbarungen, adhärenzfördernde Maßnahmen sowie die Orientierung am trialogischen Prinzip bilden wichtige Grundlagen für die Förderung einer informierten Beteiligung der Patientinnen und Patienten sowie ihrer Vertrauenspersonen am Behandlungsprozess.

Die Kliniken informieren die Öffentlichkeit mit verständlichen und differenzierten Darstellungen über ihre Angebote und Leistungen.

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2. Qualifiziertes und motiviertes Personal als Träger einer hohen Behandlungsqualität

Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährleisten eine hohe Behandlungsqualität auf der Grundlage von fördernden therapeutischen Beziehungen. Deshalb beschäftigen die LVR-Kliniken gut qualifiziertes Personal in allen erforderlichen Berufsgruppen in ausreichender Zahl.

Der LVR-Klinikverbund engagiert sich intensiv für die Gewinnung und Bindung von qualifizierten Fachkräften sowie für die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeitenden. Eine optimale Prozessgestaltung, die Ausgestaltung der Arbeitsplätze und die technische Ausstattung fördern eine effektive Aufgabenwahrnehmung. Gesundheitsfördernde Maßnahmen, der präventive Gesundheitsschutz sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unserer Mitarbeitenden genießen einen hohen Stellenwert. Die Führungskräfte pflegen einen wertschätzenden Umgang mit ihren Mitarbeitenden und tragen dafür Sorge, dass diese sämtliche für ihre Aufgaben erforderlichen Informationen zeitnah erhalten.

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3. Gewährleistung eines förderlichen Behandlungsmilieus

Die Mitarbeitenden pflegen einen wertschätzenden und höflichen Umgang mit den Patientinnen und Patienten sowie mit den Angehörigen und sichern ein freundliches und ausgeglichenes Behandlungsmilieu. Sie tragen dem durch ihr persönliches Auftreten, angemessene Kleidung sowie durch Formen der Kommunikation Rechnung, die dem therapeutischen Auftrag gerecht werden. Sie sind stets bemüht, den Gesprächswünschen der Patientinnen und Patienten sowie ihrer Angehörigen zeitnah gerecht zu werden.

Die LVR-Kliniken streben an, in allen Behandlungseinheiten moderne und ansprechende räumliche Bedingungen zu bieten. Größe, Zuschnitt, Gestaltung und Ausstattung von Räumen, Gebäuden und Außenanlagen sollen die Behandlung von Patientinnen und Patienten und ihr Wohlbefinden während des Aufenthaltes fördern. Die Gebäude befinden sich in einem gepflegten, sauberen und hygienisch einwandfreien Zustand. Die Privatsphäre wird sorgfältig geschützt und das persönliche Schutzbedürfnis respektiert.

Die Patientinnen und Patienten erhalten eine ausgewogene, gesunde Speiseversorgung in einem sozial gestalteten Milieu. Speziellen Essgewohnheiten, Diäterfordernissen und religiösen Vorgaben wird Rechnung getragen.

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4. Sozialräumliche Orientierung und regionale Vernetzung

Die LVR-Kliniken bieten ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungsangebote im bedarfsgerechten Umfang an. Im Zusammenwirken der zentralen Standorte mit dezentralen Tageskliniken, Ambulanzen und Dependancen wird eine sozialräumlich orientierte Versorgung gewährleistet.

Zur Förderung einer integrierten, sektorenübergreifenden Versorgung kooperieren die LVR-Kliniken aktiv mit allen relevanten Partnern in ihren Versorgungsgebieten.

Die Leistungen der LVR-Kliniken sind gut zugänglich. Dieses schließt neben der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln barrierefreie Zugangsmöglichkeiten zu den Gebäuden, nutzergerechte Öffnungszeiten und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme (Internet, Telefon, etc.) ein. Zur Verbesserung der Versorgung insbesondere von Patientinnen und Patienten mit komplexen Hilfebedarfen sind die LVR-Kliniken bestrebt, ihr Angebot um aufsuchende Hilfen im sozialen Umfeld zu erweitern

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5. Kontinuierliche Weiterentwicklung und Sicherung der Qualität

Die Kliniken organisieren sich als lernende Systeme auf der Grundlage eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Der Qualitätsanspruch der LVR-Kliniken wird durch Maßnahmen des Qualitätsmanagements, verbundweite Qualitätsmessungen auf der Grundlage von Qualitätsindikatoren und durch externe Zertifizierungen gesichert. Der LVR-Klinikverbund bringt seine Erfahrungen aktiv in den bundesweiten Diskurs um die Qualitätsentwicklung im Krankenhaus ein.

Ein differenziertes, mehrstufiges Beschwerdewesen sowie unabhängige Omboudspersonen in den LVR-Kliniken leisten eine unparteiische Unterstützung der Interessen und Anliegen unserer Patientinnen und Patienten. Die Klinikvorstände würdigen alle Beschwerden in angemessener Form und tragen zur Aufklärung und zur Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen bei.

Die Angebote der LVR-Kliniken werden auf der Grundlage eines systematischen, verbundweiten Innovationsmanagements kontinuierlich weiterentwickelt.

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6. Förderung der gesellschaftlichen Inklusion

Als großer kommunaler Träger psychiatrischer Krankenhäuser sieht sich der LVR-Klinikverbund in der Verpflichtung, die gesellschaftliche Inklusion von Menschen mit psychischen Störungen, die Gewährleistung ihrer bürgerlichen Rechte und die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen aktiv zu fördern und damit den Vorgaben der UN-Behindertenrechtsorganisation Rechnung zu tragen. Er setzt sich für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Behandlungsangebote und Versorgungsstrukturen ein. Im Sinne der kommunalen Daseinsvorsorge leisten die LVR-Kliniken einen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Versorgungssituation psychisch kranker Menschen. Unsere Verantwortung endet nicht am Entlassungstag an der Krankenhaustür: Durch integrierte, bedarfsgerechte und sektorenübergreifende Hilfen im Zusammenwirken mit den übrigen Trägern der psychiatrischen Versorgung sind die LVR-Kliniken nach Kräften bestrebt, bedürftigen Patientinnen und Patienten auch nach der Entlassung erforderliche Hilfen zukommen zu lassen.

Das Spannungsfeld zwischen Schutz- und Sicherheitsbedürfnissen auf der einen und der Freiheits-rechte auf der anderen Seite wird reflektiert, um Einschränkungen zum Schutz der Patientinnen und Patienten oder Dritter auf das geringstmögliche Maß zu reduzieren. Sofern freiheitsbeschränkende Maßnahmen unvermeidbar sind, werden diese so kurz und schonend wie möglich eingesetzt. Es wird immer die Maßnahme gewählt, welche die geringsten Eingriffe in die Freiheitsrechte der Patientinnen und Patienten verspricht.

Der Entstehung von kritischen Situationen wird durch kontinuierlich geschulte deeskalierende Ver-haltensstrategien sowie durch geeignete räumliche Rahmenbedingungen entgegen gewirkt. Die Umsetzung von nicht vermeidbaren Zwangsmaßnahmen wird deeskalierend begleitet, sorgfältig dokumentiert und regelhaft mit den Patientinnen und Patienten besprochen.

Die LVR-Kliniken bringen sich aktiv, informierend und entstigmatisierend in den gesellschaftlichen Diskurs um psychische Erkrankungen ein.

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