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Workshop KT 1

Kunst in der Kunsttherapie

Die Referentin spricht während sie neben einem Bild steht.

Neben den künstlerischen Materialien und Techniken kann die Kunst selbst auch Teil des kunsttherapeutischen Verfahrens werden.
Reproduktionen wie Kunstpostkarten und Kalenderblätter und auch die Begegnung mit Originalen in Museen können eine wertvolle kreative anschauliche Quelle für Patienten werden, um zu Selbstausdruck und Lösungswegen zu finden.

Je nach Schwere und Art der seelischen Belastung bevorzugen Patientinnen und Patienten die Kunst als Vorlage, die sie nachzuahmen versuchen oder schließen sich in freien Assoziationen an, um die Vorlage im eigenen Sinne abzuwandeln. Oft trennen sie sich formal auch gänzlich von ihr und erfinden eine eigene Bildsprache.

Vor dem bildnerischen Dialog mit der Kunst liegt aber die "Auswahl" des Kunstwerkes aus der Fülle einer Museumssammlung oder einem großen Stapel Kunstpostkarten quer durch die Kunstgeschichte. Die „Auswahl", der rezeptive Teil des Verfahrens lädt ein, etwas zu wählen, was einen anspricht, erlaubt so Projektionen von Erinnerung und Erfahrung auf das gefundene Werk. Im produktiven Teil wird die Anregung, die das Kunstwerk bietet mit den Gefühlen und Vorstellungen zu diesen Erinnerungen und Erfahrungen ob bewusst oder unbewußt verbunden. Es handelt sich also um ein projektives Verfahren, das Möglichkeiten diagnostisch wertvoller Informationsgewinnung bietet und sowohl konfliktzentriertes als auch rein ich-stützendes Arbeiten erlaubt.

Bei Nachahmungen bieten die kleinsten Veränderungen, die ja unbedingt entstehen, ressourcenvolle Hinweise auf Eigenes als Vorläufer von Selbstbestimmung und Autonomie. Bei bildlichen Reaktionen auf der Basis freier Assoziation sind über das Herausarbeiten von Unterschieden zwischen Kunstwerk und Patienten-Arbeit die Auflösung von Übertragungen und andere Verstehensprozesse möglich.

Gerade in der Moderne gibt die Kunst durch die Erfindung der Abstraktion Patientinnen und Patienten geistig-seelische Anschlussmöglichkeiten in Hinsicht auf Entlastung und Distanzierung. Je nach Behandlungsverlauf steht mehr das Einüben von Distanzierung von überwältignden Gefühlen oder Konfliktzentrierung und Erarbeitung von Lösungen im Vordergrund.

Brigitte Biebrach-Schmitt
Kunstpädagogin, Kunsttherapeutin
Rheinische Kliniken Mönchengladbach
Tel. 02166/6182800
brigitte.biebrach-schmitt@lvr.de

B. Biebach-Schmitt
Mai 2004-05-05

Kölner Schule für Kunsttherapie e.V.

Die Nutzung des Verfahrens setzt kunsthistorisches Wissen und eine kunsttherapeutische Ausbildung voraus. Näheres erfahren Sie über:

Kölner Schule für Kunsttherapie e.V.
Plankgasse 42
50668 Köln

Fon: 0221 / 131108
Fax: 0221 / 137619
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