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Workshop 1

Dialektisch - Behaviorale Therapie bei Borderline-Störungen ( nach M. Linehan, 1993 ) DBT

Menschen, die sich in den Armen eingehakt halten.

Die DBT wurde aus der Praxis entwickelt und wissenschaftlich auf Effektivität überprüft.

Dialektisch bedeutet eine Grundhaltung, die Widersprüche zulässt ("Und" statt "oder") und im Alltag nutzbar macht. Behavioral meint eine verhaltensbezogene, problemlösende Grundorientierung, die Klärung nicht ausschließt.

Als Störungsmodell wird von einer biosozialen Verletzbarkeit ausgegangen, die in Kombination mit psychosozialen, entwertenden (invalidierenden) Stressvariablen zu schnellen, andauernden emotionalen Überreaktionen mit folgenden Krisen führt.

Die Therapie ist auf lange Zeit (eher Jahre als Monate) angelegt.

Therapieziele

Verbesserung der Lebensqualität im Sinne eines ausgewogenen Lebens. Dies beinhaltet den Aufbau dialektischer Verhaltensmuster, den Abbau selbstgefährdenden Verhaltens einschliesslich häufiger Krisen.

Grundsätzlich stehen suizidale, selbstverletzende und die Fortführung der Therapie beeinträchtigende Patientenverhaltensweisen im Vordergrund. Erst wenn ( auch während der weiteren Behandlung ) dies gewährleistet ist, werden andere Therapieziele bearbeitet.

Therapiephasen

  1. Erlernen grundlegender Fertigkeiten
  2. Reduktion posttraumatischer Belastungsreaktionen
  3. Stärkung des Selbstvertrauens und Arbeit an individuellen Zielen
Eine Frau tanzt mit ausgebreiteten Armen, sitzende Menschen sehen ihr zu

Annahmen

Patienten wollen sich ändern; sie geben sich wirklich Mühe; ihr Leben ist wirklich unerträglich; die Patienten haben nicht alle Schwierigkeiten selbst herbeigeführt, müssen sie aber dennoch selbst lösen; Patienten müssen sich noch mehr anstrengen um sich zu ändern; die Patienten müssen sich in allen Lebensbereichen ändern; Patienten benötigen Unterstützung; Patienten können nicht versagen.

Behandlungselemente

Einzeltherapie, parallel dazu Fertigkeitentraining ("Skills") in Gruppen z.B. zur Emotionsregulation (etwa Achtsamkeitsübungen) sowie für soziale Kompetenz; fakultativ unterstützende Gruppentherapie; (bei ambulanten Patienten) Telefonberatung sowie spezielle DBT - orientierte Therapeutensupervision.

Die Patienten führen schriftlich organisierte Selbstbeobachtungsbögen, die regelmäßig besprochen werden.

Differenzierte und zeitbegrenzte Therapieverträge sind Therapievoraussetzung.

Therapeutenverhalten

Der Therapeut lebt in seinem Kontakt zum Patienten selbst die dialektische Grundhaltung: Annehmen versus Veränderung. Er unterstützt (validiert) den Patienten mit Akzeptanz und Wärme, fordert aber gleichzeitig mit direkter Hilfe Veränderung. Der Therapeut bleibt optimistisch, dabei auf die jeweilige Situation eingehend ("unbeirrbare Zentriertheit versus mitfühlende Flexibilität").

Es werden unterschiedliche Kommunikationsstile je nach Situation eingesetzt (z.B. "reziprok" und "konfrontativ-respektlos"). Die Beziehung zum Patienten ist echt und ohne berufsrollentypische Versatzstücke. Humor ist außerordentlich nützlich.

Idealerweise arbeiten alle Berufsgruppen im Sinne der DBT zusammen.

Es stehen sehr elaborierte Behandlungsmanuale zur Verfügung.

Die DBT wird derzeit für die Therapie mit Abhängigen fortentwickelt.

Literatur

Linehan, MM (1996) Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Störung; CIP-Medien, München