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Kunsttherapie

1. Definition

Kunsttherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die die Möglichkeit der realen Ausgestaltung der inneren Wahrnehmung, der Bilder der Psyche, in direkter Anbindung an die Sinne bietet. Gegenstand der Kunsttherapie sind Materialien und Ausdrucksformen der bildenden Kunst. Hierbei sind der Gestaltungsprozess und das schöpferische Resultat gleichermaßen dialogischer Bezugspunkt kunsttherapeutischen Arbeitens. Im Gestaltungsprozess wird das eigene Erleben, sowie die bewusste Erkenntnis angesprochen. Psychische, sinnliche und intellektuelle Anteile werden aktiviert und in Bewegung gebracht. Gleichzeitig findet eine geistig-seelische und leibliche Auseinandersetzung mit den entsprechenden Inhalten statt.

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2. Therapietheorie

Als kreativ-therapeutische Disziplin steht die Kunsttherapie in wechselseitigem Bezug zu anderen Wissenschaften. Im Besonderen sind dies Medizin, Psychologie, Pädagogik, Philosophie, Ethnologie, Anthropologie sowie künstlerische und ästhetische Wissenschaften.

Materialien und Ausdrucksformen der bildenden Kunst sind als Mittel zur Beeinflussung psychischer und physischer Vorgänge seit den frühesten Zeiten menschlicher Entwicklung bekannt. Mit dem ausklingenden 19. Jahrhundert erfolgt die Annäherung der bildenden Kunst zur Psychologie und Therapie. Die moderne Kunst bereitet den Boden für einen anthropologisch erweiterten Kunstbegriff.

Im Zentrum kunsttherapeutischer Arbeit steht die Entwicklung des Klienten in der Entfaltung seiner Lebensbewegung. Die systemorientierten Ansätze gehen in ihrer ganzheitlichen Sicht, Geist-Seele-Körper Einheit und tradierende Bezüge der Mit-und Umwelt, von schöpferischen Kräften aus, die aus dem Selbstbezug und der gleichzeitigen Verschränkung mit der Welt den Wertbegriff der Gestaltung konstituieren. Die schöpferischen Selbstheilungskräfte des Klienten werden angesprochen. Der kunsttherapeutische Prozess ist ein emphatisch hermeneutisches Tun, das getragen ist im mitmenschlichen Dialog und sich darin entfaltet. Das spezifische Charakteristikum der Kunsttherapie ist die Möglichkeit der non-verbalen Gestaltbildung. Dies ermöglicht einerseits die Arbeit mit Menschen, die sich der Sprache nicht bedienen können, andererseits die Arbeit mit präverbalen Prägungen. Besondere Bedeutung kommt den Sinnen zu. Die Lebensbewegung erhält ein Entfaltungsfeld, indem Symbolisierung, Wahrnehmung und Selbstausdruck, sowie Selbsterkenntnis und Wandlung unmittelbar sinnenhaft erlebt und in der Gestaltung konkret ausgeformt werden können.

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3. Formen der Kunsttherapie

Als Formen der Kunsttherapie lassen sich die rezeptive und die aktive Kunsttherapie unterscheiden. In der rezeptiven Kunsttherapie wird durch die sinnliche Wahrnehmung künstlerischer Ausdrucksformen, z.B. Bildbetrachtung, psychisches Material in Bewegung gesetzt und beeinflusst, z. B. können über den gezielten Einsatz rezeptiver kunsttherapeutischer Angebote Stimmungen beeinflusst, Entspannung oder Aktivität hervorgerufen, als auch Assoziationen oder Erinnerungen mobilisiert werden. Die Eindrücke und Wirkungen dieser Angebote werden nach der Rezeption reflektiert und aufgearbeitet.

Im Gegensatz dazu steht die häufiger angewendete aktive Kunsttherapie, auch als erlebniszentrierte Kunsttherapie benannt, bei der der Gestaltungsprozess aufgabenfrei und ergebnisoffen angelegt ist. Thema ist hier die innere Bewegtheit und äußere Bewegungsausformung des Klienten. Das Erleben selber formt sich zum Erlebnis in der entsprechenden Gestaltung.

Als weitere Form der Kunsttherapie wäre der multimediale oder intermediale Ansatz zu nennen, bei dem mehrere künstlerische Ausdrucksformen zusammen oder in Abfolge im therapeutisch-künstlerischen Prozess einsetzen. Im Mittelpunkt steht die Entfaltung des kreativen Potentials, sowie die Erweiterung des therapeutischen Handlungsspielraumes, der Zugang zu oft unbewussten Ressourcen und Konflikten, das Erweitern von Wahlmöglichkeiten in Einstellung und Verhalten.

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4. Einsatzbereiche und Indikationen der Kunsttherapie

Anwendungsbereiche der Kunsttherapie sind ambulante und stationäre Einrichtungen der Psychiatrie, Psychosomatik, Rehabilitation, Heilpädagogik etc. Bewährt hat sie sich als Möglichkeit intensiver Selbsterfahrung, sowie als eigene Psychotherapieform. Innerhalb diverser Psychotherapieschulen wird sie als Methodenerweiterung verwendet.

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