Zum Inhalt springen

Musiktherapie

1. Definition

2 Menschen trommeln auf einer Tischtrommel.
Aktives Trommeln in der Musiktherapie

Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht, insbesondere der Medizin, den Gesellschaftswissenschaften, der Psychologie, der Musikwissenschaft und der Pädagogik. In der Musiktherapie ist die Musik therapeutisches Medium und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt.

Hier können sich Wahrnehmungs-, Erlebnis-, Symbolisierungs- und Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. Rezeption, Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und intrapersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. Das musikalische Material eignet sich, Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren, was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird.

Nach oben

2. Therapietheorie

Als kreativ-therapeutisches Verfahren basiert die Musiktherapie je nach Ausrichtung auf unterschiedlichen Schulen. Zu erwähnen sind hier insbesondere Gestalttherapie, Psychoanalyse, Gesprächspsychotherapie und Antrosophie.

Wesentliches Element der Gestalttherapie ist der Dialog zwischen Therapeut und Patient im „Hier und Jetzt". Die musiktherapeutische Improvisation kann ein solcher Dialog oder Teil eines solchen Dialoges sein und bietet zudem die Möglichkeit, nicht verarbeitete Geschehnisse zu bearbeiten.

Die analytisch fundierte Musiktherapie übernimmt verschiedene Elemente der Psychoanalyse in das musikalische Geschehen; der dem Symptom zugrundeliegende Konflikt soll mit Hilfe der Musik aufgedeckt und überwunden werden. An die Stelle der freien Assoziation der Psychoanalyse tritt die Spielanalyse. In der musiktherapeutischen Improvisation sind Regression, Abwehr, Übertragung und Gegenübertragung möglich. Die analytische Musiktherapie ist dialogisch, der Patient und der Therapeut musizieren zusammen. Übertragung und Gegenübertragung sind hier auf das musikalische Geschehen zu beziehen. Wie bei dem gestalttherapeutischen Ansatz wird üblicherweise der musikalische Teil durch einen verbalen ergänzt.

Die wesentlichen Elemente der klientenzentrierten Psychotherapie, die unbedingte Annahme, die Empathie und die Echtheit sind auch auf musikalischer Ebene möglich. Darüber hinaus sind Konfrontation und Fokussierung in der musiktherapeutischen Improvisation möglich. Auch der auf klientenzentrierter Basis arbeitenden Musiktherapie steht das verbale Durcharbeiten zur Verfügung.

Der antroposophische Ansatz geht davon aus, dass sich in Musik die Ordnung des Kosmos wiederspiegele. So könne dem Menschen durch die adäquate Musik geholfen werden, seine seelische Ordnung wiederzufinden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Realität musiktherapeutischer Praxis im Rahmen des jeweiligen musiktherapeutischen Settings häufig Teile verschiedener Schulen verbindet. Unabhängig von der zugrundeliegenden Theorie werden die spezifischen musiktherapeutischen Wirkelemente genutzt. Diese umfassen die Kommunikation auf der non-verbalen, symbolhaften Ebene, das Erleben und Ausdrücken von Emotionen mit Hilfe von Musik, das Erleben von Ganzheit in der Musik und ggf. in der musizierenden Gruppe, die Möglichkeit der Regression auf der klanglichen Ebene und das Körpererleben und Probehandeln durch aktives Musizieren in der Musiktherapie. "Die psychotherapeutische Wirkung der Musiktherapie geschieht vor allem auf Grund des Einflusses der Musik auf die Psyche der Patienten und durch die Einbettung in eine therapeutische Beziehung zwischen Patient und Musiktherapeut und die Einbettung dieser Beziehung in die Musik." (Smeijsters 1999)

Nach oben

3. Formen der Musiktherapie

Musiktherapie wird, um den unterschiedlichen Aufgaben gerecht zu werden, in verschiedenen Settings realisiert. Man unterscheidet die zwei Gruppen der rezeptiven und der aktiven Musiktherapie. Die rezeptive Musiktherapie wirkt therapeutisch durch das Hören bestimmter, bereits fertiger oder improvisierter Musikstücke. Kernstück der aktiven Musiktherapie ist die musiktherapeutische Improvisation, in der Klienten bzw. Patienten nach bestimmten Vorgaben oder frei improvisieren. Weiterhin ist die Einzelmusiktherapie von der Gruppenmusiktherapie zu unterscheiden. Häufig werden Perkussionsinstrumente und solche aus dem Bereich der Orff'schen Instrumente verwendet, manche Therapeuten arbeiten z. B. auch mit selbst hergestellten Instrumenten. Musiktherapie bedeutet nicht, dass ausschließlich musikalisch gearbeitet werden muss. Im Sinne einer Aufarbeitung musikalischer Inhalte einer Improvisation ist ein verbaler Teil in die musiktherapeutische Sitzung integriert. Die Sitzungsfrequenz ist ebenso wie die notwendige Dauer der Behandlung von der individuellen Problematik abhängig und im Rahmen eines Gesamttherapiekontextes zu sehen. Sämtliche Formen der Musiktherapie können sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich durchgeführt werden.

Nach oben

4. Einsatzbereiche und Indikationen der Musiktherapie

Die Musiktherapie wird in vielen Bereichen des Gesundheitswesens eingesetzt. Neben der allgemeinen Psychiatrie, in der Forensik, in der Psychosomatik, in der Gerontopsychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie finden sich weitere Behandlungsschwerpunkte u.a. in der somatischen Medizin, in der Geriatrie als psychosoziale Rehabilitationsmaßnahme und in der Heil- und Sonderpädagogik.

In psychosomatischen und psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland gehört die Musiktherapie zu den am häufigsten angewandten Verfahren neben den anerkannten Verfahren der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie (Andritzky 1996).

Nach oben

Nach oben

6. Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Verfahren Musiktherapie

Nach oben