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Angststörungen

Angst ist so alt wie die Menschheit. Doch Angststörungen nehmen zu. Man spricht inzwischen von fast jedem zehnten. Doch Angst ist nicht gleich Angst. Es gilt sehr genau zu unterscheiden zwischen den einzelnen Formen krankhafter Angst, um dann auch zur richtigen Therapie zu greifen. Denn nicht bloß die diagnostischen, auch die Behandlungsmöglichkeiten der Angststörungen haben sich in letzter Zeit so verbessert, dass es sich lohnt, einen Arzt aufzusuchen um durch entsprechende Psycho-, Sozio- und Pharmakotherapie von einem der quälendsten seelischen Leiden wieder befreit zu werden.

Angst wird zur Krankheit, wenn sie...

  • unangemessen stark oder anhaltend ist ohne ausreichenden Grund, d. h. ohne wirkliche Bedrohung auftritt.
  • nicht mehr kontrolliert oder ausgehalten werden kann.
  • Leid verursacht und das Leben einschränkt.

Wie häufig ist Angst?

Psychische Krankheiten im allgemeinen und die affektiven oder Gemütsstörungen Angst und Depression im speziellen sind nicht so einfach zu fassen wie andere Leiden. Die Dunkelziffer ist hoch, vor allem durch mangelnden Kenntnisstand (Beschwerdebild) und eine nicht geringe Scham-Schwelle (die Scham vor einem psychischen Leiden ist ohnehin eines der größten Probleme was Kenntnisstand und damit Diagnose und rechtzeitige Vorbeugung, ja sogar Therapie und Rehabilitation anbelangt).

Fakt ist: Die Angststörungen haben zugenommen und sollen inzwischen fast jeden Zehnten betreffen. Damit nähern sie sich laut Schätzdaten oder Analogieschlüssen langsam den depressiven Zuständen (einschließlich entsprechender volkswirtschaftlicher Einbußen, über die man zwar nicht spricht, die aber in die Milliarden gehen).

Was die Angst anbelangt, so sind Frauen deutlich häufiger betroffen (wobei das männliche Geschlecht aber aufholt). Auch finden wir krankhafte Ängste nicht nur unter den älteren, sondern auch jungen Menschen und offenbar zunehmend in den sogenannten "besten Jahren". Bezüglich Zivilstand sind Verheiratete besser, Alleinlebende (ledig, verwitwet, geschieden) schlechter gestellt.

Klassifikation der Angststörungen

Gab es früher nur die Angstneurose und die Phobien, wird jetzt durch die Klassifikations-Vorschläge der tonangegebenden Institutionen Weltgesundheitsorganisation (WHO) scharf getrennt und damit diagnostiziert und therapiert.

So unterscheidet man erst einmal global die angemessene, also "normale" Angst.

Es folgen die Angststörungen auf organischer Grundlage (am häufigsten internistische und neurologische Erkrankungen wie Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Herz- und Kreislaufkrankheiten, Migräne, Multiple Sklerose, Epilepsie, Hirntumoren und so weiter).

Dann die Angstzustände auf psychischer Grundlage (Depressionen, hier vor allem zunehmend Panikattacken, die dem depressiven Syndrom nicht selten vorausgehen, ferner Schizophrenien, Persönlichkeits- und Anpassungsstörungen, Alkoholismus, Rauschdrogenkonsum und Medikamentenabhängigkeit, dementielle Entwicklungen und andere).

Und als letzte und wahrscheinlich wichtigste Gruppe die sogenannten primären Angststörungen. Bei den primären Angststörungen sind es vor allem die Generalisierten Angststörungen, das Panik-Syndrom, die Agoraphobie, die Sozialphobie, die spezifischen Phobien und - im erweiterten Sinne und später wahrscheinlich eigene Klassifikationen ausfüllend - die Zwangsstörungen und die posttraumatische Belastungsreaktion beziehungsweise -störung.

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Therapeutische Möglichkeiten

Sie alle sind inzwischen nach Symptomatik (Beschwerdebild), Ätiologie (Ursache), Pathogenese (Krankheitsverlauf) und psychosozialen Folgen sehr sorgfältig und für den Alltag in Klinik und Praxis hilfreich untersucht.

Vor allem aber gibt es heute eine Fülle von konkreten Therapiemöglichkeiten. Das geht von der Aufklärung über die verfügbaren Selbsthilfegruppen, bis zu den für Angststörungen anerkannten Psychotherapieverfahren (zumeist verhaltenstherapeutische, aber auch tiefenpsychologisch sowie Gesprächspsychotherapie und Entspannungsverfahren ) sowie soziotherapeutischen Korrekturen und Unterstützungshilfen (Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft, Beruf).

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